Feuerwehren übten in Kurklinik

Ein schlimmeres Szenario kann man sich für die Feuerwehr in einer Kurgemeinde kaum vorstellen: in einer Klinik kommt es zu einem Großbrand, bei dem vielen Patienten der Fluchtweg von Feuer und Rauch abgeschnitten wird.

Dieser Herausforderung stellten sich in Mingolsheim rund 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren Bad Schönborn, Kronau und Östringen zusammen mit Helfern des Roten Kreuzes.

Gleich an zwei Stellen in der Gotthard-Schettler-Klinik sollte durch Brandstiftung ein Feuer ausgebrochen sein. Zum einen sollte im Heizkeller im zweiten Untergeschoss der Klinik ein erster Brand gelegt worden sein. Wenig später wurde im zweiten Obergeschoss in einem Flur mit Patientenzimmern ein weiteres Feuer gelegt. Die Einsatzkräfte standen so vor der Herausforderung, neben der Brandbekämpfung und der Rettung des technischen Personals im Keller auch eine größere Zahl von Patienten retten zu müssen. Da schnell klar war, dass dies nicht mit den Kräften der beiden Abteilungen Mingolsheim und Langenbrücken nicht zu schultern war, wurde auch die Feuerwehr Kronau alarmiert. Beim Aufbau einer Einsatzleitung kam die Führungsgruppe der Feuerwehr Östringen zum Zuge.

Während Atemschutzträger im Keller die beiden Opfer schnell gefunden hatten, musste im Patiententrakt Zimmer für Zimmer durchsucht werden. Die Verletzten wurden dabei über das Treppenhaus und über die Drehleiter in Sicherheit gebracht. Ein Eingeschlossener geriet in Panik und musste mit einem Sprungretter gerettet werden. Gerade das Durchsuchen der Patientenräume in dem vorab mit Kunstnebel verrauchten Flur erwies sich als äußerst aufwändig. Eine große Zahl von Atemschutztrupps drang über das Treppenhaus und eine Fluchttreppe in den verrauchten Bereich vor und rettete die eingeschlossenen Opfer. Dabei musste anhand der Patientenliste der Klinik von der Einsatzleitung fortlaufend abgeglichen werden, wie viele der fast 20 Personen noch vermisst wurden und wer bereits gerettet war. Außerdem spielte die Übungsleitung noch einen Unfall eines Atemschutztrupps ein, der dann ebenfalls gerettet werden musste. Die Verletzten wurden unterdessen von den Helfern der DRK-Bereitschaft Mingolsheim an einem Verletztensammelplatz in der Klinik erstversorgt.

In einer ersten Nachbesprechung erklärte Kommandant Frank Dochat, dass man bei dem Szenario der Großübung bewusst eine große Übungskünstlichkeit in Kauf genommen habe. „Anders ließe sich, gerade bei so guten vorbeugenden Maßnahmen, eine so anspruchsvolle Übung kaum inszenieren“, erklärte der Feuerwehrchef.

Bürgermeister Rolf Müller wie auch der stellvertretende Kronauer Bürgermeister Karl Vetter würdigten die Einsatzbereitschaft der Feuerwehrleute und die gute Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus. „Die Helfer haben prächtig demonstriert, wie gut interkommunale Zusammenarbeit funktionieren kann“, so Müller. Lob gab es ebenfalls von Prof. Dr. Bernd Fromm, dem ärztlichen Leiter der Klinik.

Auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Klaus Mayer würdigte das ehrenamtliche Engagement der Einsatzkräfte. Eines der Hauptziele der Übung, die Zusammenarbeit verschiedener Feuerwehren, sei sehr gut erreicht werden. Gleichzeitig hätten die Helfer auch die Chance gehabt, mit dem Objekt besser vertraut zu werden.
Die Erkenntnisse aus dem Übungsablauf sollen nun kurzfristig aufgearbeitet und umgesetzt werden.

IMG_2603 IMG_2704

IMG_2681IMG_2665

IMG_2610

Text u. Bilder: tor