Alles in Bewegung bei der Jahreshauptübung

„Alles ist in Bewegung“ lautet das Motto des Kindergartens St. Franziskus in Kronau. Viel in Bewegung war dort auch am vergangenen Freitag bei der Jahreshauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Kronau. Obwohl Übungen in Kindergärten und Schulen für die Feuerwehren fast schon obligatorisch sind, war die diesjährige Jahreshauptübung in Kronau in vielerlei Hinsicht wichtig und er­kenntnisreich. Das während des regulären Be­triebs mit bis zu 60 Kindern und sieben Er­zieherinnen belegte historische Gebäude würde der Feuerwehr im Ernstfall eine schwierige Aufgabe zuweisen.

Das Szenario sah vor, dass es durch einen technischen Defekt in der Küche im ersten Obergeschoss zu einem Brand gekommen war. Dieser drohte bereits sich auch auf das Dachgeschoss auszubreiten. Aufgrund der starken Rauchentwicklung war den Kindern und Erzieherinnen der Fluchtweg über den Flur und das Treppenhaus sowie über den zweiten Rettungsweg versperrt. Sie flüchteten sich deshalb in verschiedene Räume und hofften auf ihre Rettung. Diese erfolgte dann auch sehr zielgerichtet. Das Hilfeleistungslösch­gruppenfahrzeug der Kronauer Wehr traf mit seiner Bestatzung am Einsatzort ein und machte sich sogleich mit zwei Atemschutz­trupps an die Personenrettung und Brandbe­kämpfung. Nach der Meldung der Erstangriffs­kräfte, dass die Flure und das Treppenhaus verqualmt und nicht passierbar seien, for­derte die Einsatzleitung die Feuerwehr Bad Schönborn zur Unterstützung an. Derweil führte die Besatzung des Tanklöschfahrzeugs die Menschenrettung über tragbare Leitern an der Gebäuderückseite durch. Parallel dazu wurde eine Riegelstellung zur Vermeidung ei­ner Brandausbreitung auf das Nachbargebäude aufgebaut. Mit dem Eintreffen der Drehleiter der Abteilung Langenbrücken konnten dann weitere fünf im Gruppenraum eingeschlossene Kinder gerettet und dem Rettungsdienst über­geben werden. In Millimeterarbeit steuerte die Drehleiter hierzu in der schmalen und oft durch PKW zugeparkten Straße das ret­tende Fenster auf der Frontseite des Objek­tes an. Die Atemschutztrupps der Kronauer Wehr brachten zeitgleich mehrere durch Fluchthauben geschützte Kinder aus dem Ge­bäude in Sicherheit. Währenddessen unter­stützten die weiteren Kräfte der Bad Schönborner Wehr ihre Kronauer Kameraden bei der Wasserversorgung und dem Aufbau einer weiteren Riegelstellung.

Rund 45 Minuten dauerte die Jahreshauptübung bei der sich eine Vielzahl Kronauer Bürge­rinnen und Bürger, darunter auch etliche Ge­meinderäte und Mitarbeiter der Gemeindever­waltung, ein Bild vom Leistungsvermögen ih­rer Feuerwehr machten. Die stellvertretenden Kreisbrandmeister Ullrich Koukola und Klaus Mayer wohnten der Übung ebenso bei wie Pfar­rer und Hausherr Bernd Kempf. „In diesem Ob­jekt steckt mehr, als es von außen vermuten lässt“, so Unterkreisführer Frank Dochat bei der anschließenden Übungsbesprechung im Feu­erwehrgerätehaus. Er bedankte sich bei allen beteiligten Kräften für die gute Zusammenar­beit. Eine Übung „wie aus einem Guss“ resü­mierte Bürgermeister Jürgen Heß im An­schluss. Auch er bedankte sich bei allen Einsatzkräften, darin eingeschlossen die Ka­meraden aus Bad Schönborn. Besonders be­grüßte er auch das Mitwirken der Jugendfeu­erwehr, die als eingeschlossene Kinder fun­gierten. „Schauen Sie in die Augen dieser Männer, sie können sich sicher fühlen“ gab das Ortsoberhaupt der ebenfalls anwesenden Kindergartenleiterin Bianca Hambsch ab­schließend mit auf den Weg.

Die Übung selbst brachte indes viele wich­tige Erkenntnisse. Unter anderem ist für das Durchkommen der großen Einsatzfahrzeuge die Mithilfe und Rücksicht aller Anwohner drin­gend erforderlich. Schließlich haben auch die Feuerwehrkameraden erneut erfahren, wel­che Knochenarbeit gerade für die Atemschutz­geräteträger im Einsatz hier zu leisten wäre. Dies zu üben machte also wirklich Sinn. Für eine hervorragende Bewirtung der Kamera­den und der Gäste hatte die rührige Alters­mannschaft gesorgt.                                                                                (Text: dim/Fotos: ah)